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Blutengel
(Copyright by Sebastian Stelling)
I
Jenny Henderson deckte den Tisch während sich ihr Mann David Henderson im Schlafzimmer anzog. Ihre beiden Kinder, Joshua und Amanda, würden die Nacht bei Freunden verbringen. Es war die Gelegenheit für den 25 jährigen David in der Firma aufzusteigen. In nicht mal mehr einer Stunde würden ihre Gäste eintreffen. Thomas Peacock war ende vierzig und leitete die Bank seit einigen Jahren. Er war verheiratet mit einer jüngeren Frau. Gerade mal Ende zwanzig. David sagte immer zu seiner Frau das er nicht im geringsten verstehen würde was sie an ihm finden würde. Thomas Peacock war, so vermutete David zu mindestens, nicht mal in seiner Jugend ein Frauenschwarm gewesen und mit dem Alter wurde die Chance immer geringer das er einer werden würde. Jenny schwieg zu diesem Thema immer. Sie war immer der Meinung das die Liebe nichts mit dem Alter oder dem Aussehen zu tun habe.
„Jenny? Jenny weißt du, wo ich mein neues Hemd hingetan habe?“, kam es aus dem Schlafzimmer. Eine kurze Stille trat ein, dann kam aus der Küche: „Es hängt ganz links im großen Kleiderschrank, Schatz.“ „Danke.“, rief David seiner Frau zu.
Einige Zeit war vergangen als David leise in die Küche und hinter Jenny trat. Zärtlich küsste er ihren Nacken und strich mit seinen Händen über ihre kleinen Brüste. Jenny stellte einen Topf mit Soße wieder auf de Herd, drehte sich um und küsste ihn auf die Lippen. „Heb dir das lieber für später auf!“, flüsterte sie ihrem Mann ins Ohr, „Ich muss mich jetzt noch eben umziehen und dann sind wir fertig für deinen großen Tag.“
Jenny trat ins Wohnzimmer. Sie trug ein enges rotes Kleid. Weiter waren ihre Lippen waren rot geschminkt und dezente Brillantohrringe die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte schmückten ihre Ohren. Ihr blondes Haar trug sie glatt, geschmeidig lag es auf ihren Schultern. David wurde bei ihrem Anblick ganz heiß und musste sich beherrschen sie nicht gleich jetzt zu nehmen.
Es klingelte. Jenny ging zur Tür, David nahm einen letzten Schluck von seinem Whisky und folgte ihr. Die Tür ging auf und zum Vorschein kamen ein Mann mittleren Alters und eine junge Frau. Der Mann trug einen feinen Anzug, ähnlich wie der von David, während die junge Frau ein fast aufreizendes Kleid trug, ihre Haare waren zu einem Zopf geflochten, schwarzer Lippenstift zierte die Lippen. Eine seltsame Aura ging von ihr aus. David musterte die Frau außergewöhnlich lange. Jenny schien dies zu bemerken und gab ihren Mann einen leichten Stoß in die Rippen. Wohlgemerkt geschah dies in Bruchteilen von Sekunden.
II
„Guten Abend, Mr. Peacock!“, begrüßte David seinen Chef. „Guten Abend Mr. Peacock! Ich bin Jenny, Davids Frau.“ Mr. Peacock streckte David und Jenny die Hand entgegen und begrüßte sie ebenfalls: „Guten Abend, Mr. Und Mrs. Henderson! Darf ich Ihnen meine Frau Lilith vorstellen.“ Auch sie wurde von den beiden begrüßt.
Der Tisch war mit teurem Porzellan und feinem Silberbesteck gedeckt. Widerrum Erbstücke von Jennys Großmutter. Mr. und Mrs. Peacock setzten sich an den Tisch.
Die Zeit schritt voran. Zwischen David und Mr. Peacock entbrannte ein Gespräch über die letzten Börsengänge von Firmen, die den beiden Frauen nichts zusagen schienen. Diese unterhielten sich nämlich über die neue Modekollektion von Charles, einen im Moment heiß begehrten Designer. Eine große Standuhr begann zu schlagen, es war 22 Uhr. Fast zeitgleich fragte Jenny in die Runde: „Wie wärst mit einem Tee?“ David und Mr. Peacock nahmen dankend an, Lilith lehnte ab bot jedoch dafür ihre Hilfe in der Küche an.
Die Küche war komplett weiß gehalten, Schränke, Herd, Geschirrspüler, Tisch und Stühle. Nur die Herdplatte stach mit ihrem schwarz deutlich heraus. Jenny machte sich an den Schränken zu schaffen und holte zwei Tassen heraus, Teebeutel und einen Teekessel. Lilith wollte ihr die Teekessel abnehmen und Wasser hinein füllen, aber Jenny lächelte sie nur an und sagte mit freundlicher Stimme: „Mrs. Peacock, setzen sie sich lieber. Ich will ja nicht undankbar sein das sie mir ihre Hilfe angeboten haben, aber noch nie hat ein Gast in diesem Haus etwas tun müssen. Setzen sie doch lieber an den Tisch.“ Lilith nahm die Kanne aus der Hand und setzte sich. Jenny spürte eine Aura, die von Lilith ausging. Sie war erregend. Nur schwer konnte sie dieser Aura widerstehen.
Jenny und Lilith saßen in der Küche und führten ihr Gespräch über den Designer Charles weiter fort. Der Teekessel pfiff. Jenny stand auf und nahm den Kessel vom Herd. Sie spürte wie Hände über ihren Körper glitten und sie streichelten. „David lass das! Wir sind doch nicht allein!“ Jenny drehte sich um und blickte in das Gesicht von Lilith. Sie war wie gelähmt von Liliths Blick. Ihrer beider Lippen näherten sich. Jenny versuchte erst dagegen anzukämpfen, doch als sich ihre Lippe berührten gab sie Liliths Aura nach. Sanft waren ihre Lippen. Liliths Hände glitten unter ihr Kleid, zwischen Jennys Schenkel. Die Finger schoben ihren Slip beiseite und streichelten sie zärtlich. Leises Stöhnen kam aus Jennys Mund. Liliths Mund näherte sich Jennys Hals. Sie verspürte einen Biss. Sie wollte vor Schreck aufschreien aber, er blieb ihr im Halse steckten. Sie spürte wie ihre Kräfte schwanden, bis es schwarz um sie herum wurde. Etwas Blut fiel auf die Fliesen. Jennys Körper lag leblos vor dem Herd. Ihre Augen starten in die Leere.
III
Zurück im Wohnzimmer angekommen saßen David und Mr. Peacock noch immer auf dem Sofa. Mr. Peacock hielt ein Messer in der Hand, es war blutig. Eine große Wunde zierte den Hals von David. Noch immer kam ein leises Röcheln aus seinem Mund. . Lilth ging auf in zu, beugte sich über ihn und lächelte ihn an. Ihre Hände strichen durch sein Haar. Seine Augen wirkten leer und doch so voller Angst. „Jenny hat wunderbar geschmeckt. Sie wird nun bald eine der meinen sein.“, flüsterte sie ihm zu. Das Röcheln erlosch. Der Atem stand still. Das Leben verschwand.
Ihr Mund saugte an der Messerwunde. Mr. Peacock stand vom Sofa auf und hauchte in Liliths Ohr: „Ich liebe es, wenn du so was tust!“ Seine Hand streichelte dabei ihrer Hintern und glitt immer weiter nach unten. Er glitt unter ihr Kleid. Seine Hand erreichte ihren Slip. Mit einem Ruck riss er ihr ihn runter. Lilith spürte wie seine Finger in sie eindrangen. Voller Lust begann ihr Körper zu beben. Sie saugte immer heftiger an Davids Wunde. Mit einem heftigen Stoß drang er in sie ein. Ein lusterfüllter Schrei durchfuhr die Nacht. Ihre Finger krallten sich im toten Fleisch von David fest. Sie riss Fleischfetzen aus dem Körper und saugte immer heftiger. Sie spürte wie eine Schlinge um ihren Hals gelegt wurde. Fest zog sie sich zusammen, der Atem blieb ihr im Halse stecken. Mr. Peacocks Stöße wurden immer härter und wilder. Bald würde es soweit sein. In seiner rechten Hand hielt der das Ende der Schlinge und zog immer fester zu. Jedes Mal, wenn er zuzog erregte es ihm immer mehr. Immer fester wurde sie um den Hals gezogen. Lilith löste ihre Lippen von der Wunde. Lange, spitze Eckzähne kamen zum Vorschein. Ihr Gesicht war mit blutbeschmiert. Sie drehte ihren Kopf in Richtung Küche. Ihre Augen glühten rot.
In der Tür stand Jenny. Ihre blutige Bisswunde war noch immer deutlich zusehen. Blut klebte in ihren blonden Haaren und ihre Haut war aschfahl. Nur mit einem Slip bekleidet ging sie auf die beiden zu. Lilith richtete sich auf und stieß Mr. Peacock von sich. Dieser stürzte nieder und blieb auf dem Rücken liegen. Die beiden Frauen standen nun genau voreinander. Einige beklemmende Sekunden verstrichen, dann packte Jenny Lilith und küsste sie. Heiß erwiderte sie diesen Kuss. „Ich habe dir auch etwas mitgebracht.“, sprach Lilith und blickte Jenny tief in die Augen. Jenny drehte ihren Kopf in Richtung Mr. Peacock. Ein eiskalter Blick traf ihn und ließ ihn erstarren. Die beiden Frauen lösten sich voneinander. Die junge Frau trat vor, den noch immer liegenden Mr. Peacock, und kniete sich hin. Sie strich ihm mit der Hand über die Wange. Der Mann wimmerte vor sich ihn. „Soll er zu einem der unseren gemacht werden?“, fragte Jenny ihre Schöpferin. Lilith trat näher, legte ihre Hand auf Jennys Kopf und fuhr ihr sanft durchs Haar. Sie blickte auf ihren Mann nieder und antwortete herzlos und voller Erbarmungslosigkeit: „Töte ihn!“
Blanke, spitze Zähne schlugen in den Hals des Mannes ein. Unfähig zu schreien, ließ er es über sich ergehen. Immer schneller wurden das Saugen. Liter um Liter verließ den Körper um den neuen Vampir zu nähren. Der Hunger schien unstillbar. Ihre Finger krallten sich im Fleisch von Mr. Peacock fest. Lilith kniete sich neben Jenny, streichelte ihren Rücken und beobachtete das Geschehen. Der tote blutleere Körper fiel auf den Boden. Lilith legte ihre Hand an Jennys Wange und drehte ihren Kopf in Richtung des ihren. Etwas Blut lief ihr aus den Mundwinkeln. Lilith leckte es mit ihrer Zunge ab und sagte zu ihr: „Es wird Zeit das wir uns auf den Weg machen. Die Sonne wird bald aufgehen.“
Zwei dunkle Gestalten verschwanden, noch vor dem Sonnenaufgang, in die Nacht. Immer weiter auf der Suche nach neuen Opfern. Getrieben von einem unstillbaren Hunger nach Blut. Jede Nacht aufs neue. Immer auf der Flucht vor ihrem ärgsten Feind – Dem Tag.
ENDE
Bremerhaven, 19.03.2005 - 16.04.2005 |